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Sennestadt wird Forschungsschwerpunkt

Die Bielefelder Sennestadt steht für den energetisch problematischen Gebäudebestand der Nachkriegsjahre und repräsentiert rund 5,8 Millionen Wohneinheiten in Deutschland. Die besondere Herausforderung hier zu einem klimaneutralen Gebäudebestand zu kommen, kann nur durch die Kombination von Maßnahmen erreicht werden: Gebäude müssen energetisch saniert werden, um Wärme-und damit Energieverluste aus der Gebäudeaußenhülle zu minimieren. Der Energieverbrauch der Nutzer im Gebäude muss optimiert werden und der Einsatz erneuerbarer Energien, auch durch dezentrale Erzeugung am Gebäude selbst, muss erreicht bzw. erhöht werden.

Ein interdisziplinäres Forscherteam von vier Professoren aus den Bereichen Messtechnik, Bauphysik, Informatik und IT-Sicherheit von der Fachhochschule Bielefeld stellt sich dieser Herausforderung. In dem neuen Forschungsschwerpunkt „Interdisziplinäre Forschung für dezentrale, nachhaltige und sicherere Energiekonzepte“ will das Team im Stadtteil Sennestadt eine Musterwohnung – vor, während und nach der Sanierungsphase – wissenschaftlich begleiten.

Im Verlaufe des zweijährigen Forschungsprojekts von 2016 bis 2018 soll die Musterwohnung saniert und modernisiert werden. Die Sanierung soll die energetische Qualität der Außenhülle z.B. durch den Einsatz von neuen Dämmstoffen und durch den Einbau mehrfach verglaster Fenster erhöhen. Wärmebrücken, das sind thermische Schwachstellen z.B. an Rändern von Balkonen, Fenstern, Bauteilecken, an denen ein großer Wärmeverlust sichtbar ist, sollen mithilfe von regelmäßigen Messflügen eines Thermo-Kopters entlang der Gebäudehüllen ausfindig gemacht, wissenschaftlich bewertet und im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen beseitigt werden. Nach der Sanierung und dem Einsatz des neuen Energiekonzeptes ist es wichtig, dass die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten weitergeführt und die Nutzer der Wohnung über ein Jahr begleitet werden. Dabei soll eine einfach bedienbare Technik entwickelt werden, die über mobile Geräte abrufbar ist, um die Energieeffizienzwerte der Wohnung, den Verbrauch der elektrischen Geräte und die Erträge einer Photovoltaikanlage nachhalten sowie das Zusammenspiel energetisch optimieren zu können.

Zum Beispiel lassen sich Überschüsse der PV-Stromerzeugung am Tage durch dezentrale Batteriespeicher nutzen. Dazu wollen die Forscher die spezifischen Energieverbräuche der Wohnungsnutzer auswerten und neue innovative Software-Algorithmen entwickeln, die selbständig nach den Erwartungen der Nutzer eine optimale effiziente Ansteuerung der Baterieladezyklen berechnen und ausführen können. Dem Teilprojekt IT-Sicherheit wird im Verlauf der Forschungsarbeiten eine besondere Bedeutung beigemessen. Es wird um die Sicherheit der Software gegen Systemausfälle und Hacker-Angriffe von außen gehen sowie um den Schutz der übertragenen Wohnungsdaten und der persönlichen Energieverbrauchsdaten der Nutzer. Der Datenschutz und die Systemsicherheit sind unerlässlich, damit die Steuersoftware stabil und ausfallsicher läuft und damit das Vertrauen der Nutzer in die Softwareapplikationen stark genug ist um sie auch langfristig zu nutzen. Die Erfahrungen aus diesem Forschungsprojekt sollen nachfolgend allen weiteren Sanierungsmaßnahmen in der Sennestadt und den betroffenen Nutzern zugutezukommen und für die breite Öffentlichkeit deutschlandweit publiziert werden.

Senne Rundschau, 17.03.2016

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