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Sanierung unter der Lupe

Sennestadt wird Austragungsort eines neuen Forschungsschwerpunkts der Fachhochschule Bielefeld. Das erste Projekt startet bald

Sennestadt. „Das ist der Beginn einer besonderen Zusammenarbeit“, begrüßt Geschäftsführer Bernhard Neugebauer alle, die im Büro der Sennestadt GmbH zum „Kick off“, dem Auftakt für den neuen Forschungsschwerpunkt des Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld, hier zusammengekommen sind. „Interdisziplinäre Forschung für dezentrale, nachhaltige und sicherere Energiekonzepte“ heißt der Schwerpunkt. Als erstes Projekt wollen die Forscher die Sanierung einer Musterwohnung an der Bleicherfeldstraße analysieren. „Wir haben hier viel Bausubstanz aus den 50er und 60er Jahren, die sich noch im Originalzustand befindet“, erklärt Sanierungsmanager Thorsten Försterling die Ausgangslage, die Sennestadt für die Forschungen prädestiniert.

„Das sind viele Projekte, die jetzt wunderbar ineinandergreifen“, sagt Uwe Hofmeister, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Bielefeld. So ist Sennestadt als Modell für die Stadtteilentwicklung bekannt und bei der Klima-Expo mit dem zweiten Preis im Bereich „Quartiere entwickeln“ ausgezeichnet worden. Hinzu kommt, dass an der Bleicherfeldstraße durch die Vonovia (ehemals Gagfah) von 2016 bis 2018 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant sind (die NW berichtete). In diesem Zeitraum sollen eine dieser Wohnungen und ihre Bewohner durch die Forscher begleitet werden. Dabei kommt das gebündelte Knowhow eines vierköpfigen Professorenteams, bestehend aus Thomas Westerwalbesloh (Messtechnik), Frank Hamelmann (Bauphysik), Grit Behrens (Informatik) und Christoph Thiel (IT-Sicherheit), zum Einsatz. Sie wollen die Energieeffizienz vor und nach der Sanierung, sowie Verbrauch und Nutzungsverhalten der Bewohner unter die Lupe nehmen. Hocheffiziente Messtechnik soll in der Wohnung verwendet werden. Wärmebilder von Dächern und Fassaden sollen mithilfe einer Drohne aufgenommen werden, dem sogenannten Thermocopter. „Das liefert eine gute Datenbasis aus der Praxis“, betont Heike Böhmer vom Institut für Bauforschung Hannover.

„Insgesamt ist das für die Bewohner aber keine große Belastung“, erklärt Behrens. Nach der Installation sei von allem kaum etwas zu bemerken. Die Nutzer sollen die Daten über Smartphone oder Tablet abrufen können und so beispielsweise bei einer steigenden CO2-Konzentration leicht sehen: „Jetzt muss ich lüften.“ In welcher Wohnung das Projekt stattfinden soll, steht indes noch nicht fest. Am Ende sollen in einen ersten Schritt gleich mehrere Dinge gelingen: eine normale Sanierung zu begleiten und zu analysieren, die wissenschaftlichen und technischen Werkzeuge dafür zu optimieren und dadurch natürlich auch eine positive Außenwirkung zu erzeugen. „Dahinter steht auch ein Leuchtturmgedanke“,sagt Grit Behrens, und Bernhard Neugebauerfügt hinzu: „Das ist eine riesen Chance, nicht nur für Sennestadt, sondern auch für das Erreichen der Klimaziele insgesamt.“

Quelle: Neue Westfälische 18.12.2015

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