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Bau-Muster für die Modellstadt

Thorsten Försterling und Heike Böhmer sind seit einem Jahr Sanierungsmanager

Sennestadt. Wer sein Haus oder seine Wohnung auf den neuesten Stand bringen möchte, sieht sich einer Fülle von Anbietern gegenüber, die wiederum eine große Menge Infos, Beratung und Hilfe versprechen. Damit die Bürger beim Weg durch diesen "Angebotsdschungel" die für sie richtigen Abzweigungen wählen und nicht sofort wieder abgeschreckt sind, gibt es seit einem Jahr das Sanierungsmanagement. Mit zwei "Gesichtern": Thorsten Försterling vom Sennestädter Büro Alberts-Architekten und Heike Böhmer vom Institut für Bauforschung (Hannover).


Die beiden Sanierungsmanager suchen aber nicht für den einzelnen Bürger nach dem besten Sanierungsweg, sondern sie initiieren Pilotprojekte und entwickeln Musterstrukturen, an denen sich möglichst viele Bewohner orientieren können - und haben dafür in der ehemaligen Modellstadt, die nach dem Krieg am Reißbrett entstand, durch die homogene Bauweise und -zeit beste Voraussetzungen. Eine solche Struktur haben die beiden Fachleute etwa mit der "Hausakte" entwickelt, einem Register, in dem alle wichtigen Infos über ein Haus oder eine Wohnung zusammengetragen sind: Pläne, Handwerker, Kreditinstitute - alles fein säuberlich geordnet, aufeinander aufbauend und bei Bedarf griffbereit. "Das ist dann wie scheckheft-gepflegt", meint Försterling. Und Böhmer ergänzt: "Wenn sich die Leute so mit ihrem Haus beschäftigen, kennen sie es auch gut und können ihren Nutzen draus ziehen. Und es schützt vor ,falschen Sanierungen?". Zur "Hausakte" sollen auch dieses Jahr Termine im Sennestadtpavillon angeboten werden.


Beim Projekt "Zukunft der Hochhäuser" geht es um die Modernisierung der hohen Mehrfamilienhäuser im Stadtkern und darum, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten, nach deren Muster eine Sanierung ablaufen könnte. 2014 habe es Treffen mit Hausverwaltungen und Wohnungseigentümern gegeben, erzählt Försterling. "Da haben wir über Probleme und Hemmnisse gesprochen." Eine Vielzahl von Wohnungseigentümern zu überzeugen, an einem Strang zu ziehen und ihr Haus insgesamt zu modernisieren, ist nicht leicht - zumal zunächst der Ist-Zustand festgestellt wird, dann kommt eine Bedarfs- und Finanzierungsplanung und erst zuletzt die Umsetzung. "Das alles ist nicht mit 1.000 Euro zu machen, und die Leute scheuen sich oft schon, die Planung zu bezahlen", ist die Erfahrung von Försterling, der viele Eigentumsversammlungen besucht und Hausbegehungen mitgemacht hat. Inzwischen sei ein Hochhaus gefunden, mit dem die Fachleute hoffen, die Möglichkeiten der Sanierung und Förderungen durchspielen zu können. Das ließe sich dann auf alle anderen übertragen.


Für die stadtteiltypischen Reihenhäuser, für die es bereits eine Musterhaus-Planung aus dem Stadtumbau gab, setzen die Sanierungsmanager darauf, jetzt eine konkrete Sanierung, eine "Musterbaustelle", zu finden. Derzeit stehen sie mit einem Eigentümer in Verhandlung: "Wenn alles klappt, könnten wir im Sommer beginnen."


Beim Projekt "Die Farben der Sennestadt", initiiert vom Arbeitskreis Ortsbildpflege im Sennestadtverein, wird derzeit der Farbkarten-Fächer überarbeitet. Försterling: "Hier müssen wir nicht neu anfangen, sondern wir nehmen auf und stricken den Faden weiter." Die Farbpalette der Hauswände zeige die Geschlossenheit der früheren Modellstadt. "Und diese gedeckten, erdigen Farben sind wieder voll im Trend." Weiter geht es in diesem Jahr auch mit der "zielgruppenorientierten Beratung". Dort liegt der Fokus auf Migranten. Die, so die Erfahrung Försterlings, wollten keinen "Flyer auf Türkisch", sondern nach ihren Vorstellungen gefragt werden, und zwar auf Deutsch: "Sie haben im Detail ganz andere Ansichten."


Unterm Strich bleibt viel zu tun, und auch nach dem zweiten Jahr müsse sich jemand vor Ort ums Sanierungsmanagement kümmern, meinen Försterling und Böhmer: "Das soll ja nicht alles verpuffen." Vieles beginne dann erst richtig. Wie es weitergeht, sei allerdings noch offen.

Mehr Infos: www.sennestadt-sanierungsmanagement.de

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